Broken Windows (Wilson & Kelling)

„Broken Windows“, zerbrochene Fensterscheiben, ist ein von James Q. Wilson und George L. Kelling geprägter Begriff. Den beiden Autoren zufolge muss die zerbrochene Fensterscheibe schnellstmöglich repariert werden, damit weitere Zerstörungen im Stadtteil und das Steigen der Kriminalitätsrate verhindert werden. Verwüstungen in Stadtgebieten stehen demnach in unabdingbarer Verknüpfung mit Kriminalität und bedingen diese. Ein scheinbar harmloses Phänomen kann somit gravierende Folgen mit sich bringen.

Hauptvertreter

George L. Kelling, James Q. Wilson

Theorie

Wilson & Kelling nahmen mit Ihren Ausführungen großen Einfluss auf die amerikanischen Policing-Strategien dieser Zeit. In Ihren Studien legten sie ihr Augenmerk auf polizeiliche Fußstreifen als Methode des Policings. Auch wenn ihre Studien belegt haben, dass Fußstreifen keinerlei Einfluss auf die Kriminalitätsraten ausübten, haben sie demonstriert, dass die Stadtteilbewohner durch die Anwesenheit der Polizei ein größeres Sicherheitsgefühl aufgebaut haben. Um ihre Sichtweisen zu veranschaulichen entwickelten sie die s.g. Broken-Windows-Theorie:

Der Broken Windows Ansatz hat den Versuch zur Erklärung gesellschaftlicher Zusammenhänge zum Inhalt. Die Ursache von Kriminalität wird in den herrschenden Zuständen und sozialen Prozessen, die in bestimmten Stadtgebieten von statten gehen, gesehen. Als Auslöser für kriminelles Handeln sehen Wilson & Kelling den städtebaulichen Verfall („urban decay“) wie z.B. zerbrochene Fenster (Broken Windows). Die zerbrochenen Fenster stehen als bildhaftes Symbol für heruntergekommene Teile der Stadt. Der Verfall von Stadtteilen verursacht Irritation unter den Bewohnern, welche sich zur Angst vor Kriminalität wandelt. Wilson & Kelling sprechen diesbezüglich von einem Verstärkerkreislauf.

Als Anzeichen mangelnder formeller sowie informeller sozialer Kontrolle nennen sie folgende beiden Faktoren

  1. physical disorder (wie z.B. verfallende Gebäude, verlassene Grundstücke, beschmierte Wände, etc.)
  2. social disorder (auf den Straßen streunende Gruppen, Obdachlose, aggressive Bettler, Drogenszene, etc.).

Diese Faktoren ziehen wiederum Straftäter an und haben eine gesteigerte Kriminalitätsfurcht der Bürger zur Folge.

Als Maßnahmen zur Unterbrechung des Verstärkerkreislaufs müsse man die kriminellen Verhaltensweisen als nicht länger profitabel erscheinen lassen. Dies würde zum einen durch eine höhere Entdeckungswahrscheinlichkeit und zum anderen durch eine neue Herstellung von sozialer Kontrolle geschehen.

 

Kriminalpolitische Implikation

Das New Yorker Polizeimodell „Zero Tolerance” von William Bratton basiert auf der Broken Windows Theorie. Sie hat die Unterbrechung des Verstärkerkreislaufes nach Shaw und McKay zum Inhalt. Bratton verdeutlicht seine Gedanken am Beispiel der New Yorker Polizei.  Hiernach werden die kleinsten Vergehen wie z.B. öffentliches Urinieren, Drogenbesitz oder das Sprühen von Graffiti geahndet (qualify of life offenses). Dies soll zum Zweck der Prävention zeigen, dass auch größere Vergehen geahndet werden. In New York hatte diese Strategie in den 90ern einen großen Erfolg. Es wird auch von einem „problem oriented policing“ gesprochen. Kernelemente dieses waren:

  1. Eine strategisch neue Vorgehensweise
  2. Stärkung des Community Policings durch
    • Dezentralisierung der Kommandostrukturen ( Benennung von Leitern für einzelne Reviere, die nur für ihren Bezirk zuständig sind (Precinat Commanders)
    • Zusammenarbeit mit der Bevölkerung
  3. Erstellung eines Aktionsplans (Benennung von 6 Problembereichen und Zielen)
  4. Erstellung von Lageplänen von Kriminalität (Wann und wie war die Polizei im Einsatz)
  5. Detaillierte Statistikerstellung (z.B. Wie viele Patronen verschossen)
  6. Computer-Compstat-Meetings: Kontinuierliche Erfolgskontrolle der einzelnen Bezirke durch Computer gestützte Analysen
  7. Stärkung des Community Policings durch – Dezentralisierung der Kommandostrukturen – Zusammenarbeit mit Bürgern

Als kriminalpolitische Implikation des Zero-Tolerance-Modells lässt sich das „Crime Mapping“ sehen. Hierbei handelt es sich um eine sogenannte Kriminologische Regionalanalyse (KRA) – eine Dokumentation von Kriminalität in bestimmten Regionen.

Kritische Würdigung & Aktualitätsbezug

Zur Kritik des Broken Wondow Ansatzes siehe entsprechende ausführliche Ausführungen in der Krimpedia

Literatur

Primärliteratur

Sekundärliteratur

Weiterführende Informationen

Videos

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[YouTube Video: Broken Windows Theory – Criminology]

You Tube Video: Applying the Broken Window Theory to Cars

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[YouTube Direktlink]

How A Theory Of Crime And Policing Was Born, And Went Terribly Wrong (NPR, 01.11.2016)