Feministische Kriminalitätstheorien

Theorie

Ein großer Teil der feministischen Kriminalitätstheorie ist in Folge der radikalen Kriminalitätstheorien entstanden. Der Ansatz dieser Theorien bietet die Erforschung der Frage, wie die geschlechtsspezifischen Unterschiede im Kriminalitätsphänomen erklärt werden können. In den 90er Jahren kam der Versuch auf, feministische Theorien mit kritischen zu verbinden. Die Hauptkritik gestaltete sich darin, dass eine geschlechtsspezifische Unterscheidung für kriminelle Handlung keine Berücksichtigung fand.
Die Übertragbarkeit der meist aufgrund männlichen Verhaltens entwickelten Theorieansätze auf Frauen wurde einfach unterstellt.
Der feministisch-ätiologische Ansatz geht davon aus, dass die geringe Kriminalitätsbelastung von Frauen anhand des geschlechtsspezifischen Sozialisationshintergrunds erklärt werden kann. – Der Frau bieten sich durch die, von der Gesellschaft festgelegten Werte und Normen hin zur Rollenübernahme weniger Gelegenheit, kriminelle Handlungen zu tätigen.

Biologische und anthropologische Ansätze brachten die Faktoren der körperlichen Schwäche und psychischen Passivität mit weiblicher Kriminalität in Verknüpfung.
Ungleichheiten der Behandlung von Frauen durch das Strafjustizsystem wurden sowohl von Konflikttheoretikern als auch von radikalen Theoretikern untersucht. Machen Gesetze Unterschiede oder ist das Geschlecht Hinweis dafür, wie ein Fall behandelt wird? Die feministische Kriminologie sieht sich u.a. als Weiterentwicklung der kritischen Kriminologie und ist mir ihr der Ansicht, dass das Strafjustizsystem auf eine asymmetrische Machtbeziehung aufbaut. Dennoch gibt es bis Dato keine allumfassenden Theorien, die die Ursache für die niedrigere Zahl von straffälligen Frauen im Vergleich zu deliquenten Männern erklären.
Auch in der Kriminologie haben feministische Ansätze Einzug gefunden. Hierbei wird versucht Kriminalitätsphänomene mit einem feministischen Blick zu betrachten und somit die Kriminologischen Sichtweisen zu beeinflussen. Als bedeutende feministische Kriminologinnen lassen sich Gerlinda Smaus und Monika Frommel nennen die sich u.a. mit der kritischen Kriminologie, den Etikettierungsansätzen und den biologischen Faktoren bzgl. der Feminismus-Debatte beschäftigen.

Kritische Würdigung

Durch das Begründen von weiblicher Kriminalität durch biologische, psychische oder Sozialisationsfaktoren wird die „Schwäche der Frau“ als Ursache fokussiert. Die Zuschreibung des „schwachen Geschlechts“ hat in Zeiten der Emanzipation einen blockierenden Effekt und weist ihnen eine untergeordnete Rolle zu.

Kriminalpolitische Implikation/Aktualitätsbezug

Der Blick auf eine feministische Kriminologie ist heute stark vertreten. Seit den 90er Jahren ist die Rolle der Frau wieder in den Mittelpunkt gerückt. Fernab von der Frage wieso Frauen weniger kriminell werden als Männer, ist vorrangig die Frau als Opfer von Kriminalität in das Betrachtungsfeld gerückt: Gewalt an Frauen, Gewaltschutzgesetze, Prostitution und Zwangsheirat sind Blickfelder, die im Mittelpunkt von Strafrechtswissenschaftlern und Kriminologen stehen.

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